Geschichte

„Damals, vor 25 Jahren, waren an einzelne hiesige Herren Aufrufe von Schotten zur Gründung eines Gesamtvereins Vogelsberger Höhen-Club mit angegliederten Sectionen gekommen“, erinnert sich der erste Vorsitzende des Lauterbacher Zweigvereins, Wilhelm Becker II. (Vorsitzender 1881/1915), in einer Festrede anlässlich der Jubiläumsfeiern nach Vollendung des ersten Vierteljahrhunderts VHC vor 100 Jahren. Die Aufrufe blieben nicht ungehört: Am 28. Juli 1881 wurde der Zweigverein Lauterbach in der ‚Sandmann’schen Heimath’ durch Unterzeichnung einer als ‚einfach abgefasst’ beschriebenen Urkunde gegründet. 66 Mitglieder - zugelassen waren seinerzeit nur Herren - wurden bereits zur ersten Hauptversammlung des Zweigvereins am 21.09.1881 verzeichnet, bis Jahresende wuchs die Zahl auf 110. Stolz verwies der damalige Vorsitzende Anfang 1882 darauf, dass Lauterbach die stärkste Sektion des VHC, mit alleine einem Fünftel der gesamten Mitglieder, stellte.

Damals wie heute beschränken sich Interessen und Aktivitäten nicht allein auf Organisation und Durchführung von Wanderungen. Zu den erklärten Zielen des VHC gehörte es zunächst vorrangig, den Besuch des Vogelsberges zu erleichtern und durch Herstellen von Aussichtspunkten, Ruheplätzen etc. das Interesse für das Gebirge anzuregen und zu erhalten. Ersteres kommt nicht zuletzt darin zum Ausdruck, dass der VHC Lauterbach regelmäßig an der Gestaltung der die Region betreffenden Zugfahrpläne beteiligt wurde. In umfangreichem Schriftverkehr des Zweigvereins mit der ‚Königlichen Eisenbahndirektion’ wird so manche Verbindung als zu früh, zu spät oder in sonstiger Weise unpassend kritisiert. Im Herstellen von Aussichtspunkten und Ruheplätzen entwickelte der Zweigverein einen besonderen Ehrgeiz. Über die in und um Lauterbach aufgestellten Ruhebänke existiert ein umfangreiches Register, und bereits im ersten Jahr nach Gründung wurde der Beschluss zur Errichtung eines Aussichtsturmes auf dem Hainig gefasst und rasch umgesetzt. Allerdings musste dieser erste Turm aus Holz wegen Baufälligkeit schon im Jahre 1900 wieder abgerissen werden; erst sein Nachfolger, 1907 aus Stein errichtet und mit einem Turmzimmer versehen, entwickelte sich zum damaligen Mittelpunkt des Vereinslebens. In den Jahren nach seiner Errichtung, bis 1914, war der Turm sogar bewirtschaftet.

‚Gewandert’ wurde seinerzeit natürlich auch. Heutige Maßstäbe dürfen an dieses Freizeitvergnügen aber offensichtlich nicht angelegt werden. So enthielt der Bericht über die erste Wanderung des Zweigvereins am 23. April 1882 heftige Kritik daran, dass die Streckenführung über ‚Alteberg’ und ‚Knöppsack’ die Marschfähigkeit der Theilnehmer doch allzu sehr in Anspruch genommen habe. Die Rede ist von einer Gesamtlänge von 5-6 km.

Der VHC Lauterbach war von Beginn an im gesellschaftlichen Leben der Stadt fest verwurzelt. In den ersten Jahren des Bestehens fanden häufig Aufführungen des ‚Höhenclub Theaters’ statt. Das um 1910 begründete Dekorierungsfest, zeitweise auch Auszeichnungsfest oder ‚VHC-Ball’ genannt, stellt bis heute einen gesellschaftlichen Höhepunkt dar.

Obgleich einer der größten Zweigvereine, bestand offenbar nicht immer ein ungebrochenes Verhältnis zum Gesamtverein. 1911 wurde der Beschluss gefasst, sich nicht mehr „an Massen-Zusammenströmungen wie Hoherodskopffest u.ä. zu beteiligen“. Man habe die Erfahrung gemacht, dass die Gemütlichkeit dabei zu kurz gekommen war! Offenbar wurde diese Ansicht später revidiert, jedenfalls finden sich heute regelmäßig zahlreiche Lauterbacher Mitglieder zur Höhenfastnacht, zum Bierabend und zum Sternwandertreffen auf den Hoherodskopf ein.

Der VHC Zweigverein blieb seit seiner Gründung ein durchgehend aktiver Verein. Selbst in den Wirren des zweiten Weltkriegs kam das Vereinsleben nicht zum Erliegen. Von besonderer Beständigkeit zeugt die geringe Zahl von nur fünf Vorsitzenden in den letzten knapp 70 Jahren: Wilhelm Beier (1938/1946 und 1948/1960, Richard Diehl (1960/1967), Heinrich Rühl (1967/1979), Theodor Günther (1979/2003) und Arnim Ortmann (ab 2003). Als Höhepunkte dieser Periode seien die Teilnahme an einer Wanderung mit Bundespräsident Carstens 1981 und die Ausrichtung der Jahreshauptversammlung des Gesamt-VHC im Rahmen des Hessentages 1983 hervorgehoben, ebenso die mehrtägigen Wanderfahrten in den Ostteil unseres Landes nach dem Fall der innerdeutschen Grenze.
Der Erfolg des Vereins liegt aber sicher in seinem vielfältigen Jahresprogramm mit vielen traditionellen Fixpunkten und besonderen Wanderungen begründet
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