Hainigturm

„Wandrer ziehe die Schuhe aus, denn der Ort, auf dem Du stehst, ist ein heiliges Land.“ Mit diesen Worten brachte der damalige Bürgermeister Alexander Stöpler in seiner Rede anlässlich der Einweihung des Hainigturms am 26. Mai 1907 den geheimnisvollen Reiz zum Ausdruck, den das Hainig seit jeher auf die Lauterbacher und ihre Besucher ausübte. Das Hainig, ein Bestand von vielhundertjährigen Eichen auf einer Höhe von etwa 440 Metern, dessen altehrwürdiger Charakter durch die noch vorhandenen Hünengräber unterstrichen wird. Überragt wird das Hainig von einer 15 Meter hohen, fast ganz aus geschlossenem Fels bestehenden Kuppe, von welcher eine herrliche Aussicht insbesondere nach Fulda und in die Rhön bietet. Welchen anderen Ort hätte der VHC Lauterbach für die Errichtung eines Aussichtsturms auserwählen sollen?

Schon kurz nach seiner Gründung im Jahre 1881 beschloss der Zweigverein Lauterbach die Errichtung eines solchen hölzernen Aussichtsturms auf der Hainigkuppe. 16,80 Festmeter Kiefern und 2,07 Festmeter Eichenholz – kostenlos durch die Freiherrn Riedesel zu Eisenbach zur Verfügung gestellt - wurden im Herbst 1881 gefällt und im Frühjahr 1882 zu einem viereckigen, etwa 16 Meter hohen Turm zusammengefügt. Die Baukosten betrugen seinerzeit 600.- Mark. Die Einweihung wurde am 6. August 1882 als großes Volksfest begangen.

Durch diesen Turmbau wurde das Hainig fortan als Ausflugsziel wesentlich stärker frequentiert. Die Freude währte allerdings nicht allzu lange. Schon nach einigen Jahren fielen Reparaturen an, und nach 18 Jahren, im Jahre 1900, wurde der mit viel Idealismus erbaute Turm wegen Baufälligkeit wieder abgerissen. Der Verkauf des Holzes erbrachte einen Erlös von 35.- Mark.

Für einen Ersatzbau fehlte zunächst das Geld. Gleichwohl hegte der VHC Lauterbach und die gesamte Bevölkerung Lauterbachs einen Wunsch: Wenn auch das „Theuerste, so doch das Solideste“ sollte es sein, ein Thurm aus Stein anstelle des Holzgerüsts, erbaut aus den Hainig-Steinen und passend zu den vielhundertjährigen Hainig-Eichen. Mehrere hundert Mark hatte der Verein in den Jahren nach 1900 hierfür angesammelt, doch erst die Zuwendung eines edlen, anonymen Wohltäters über 1.000 Mark ließ den Verein den Mut fassen, den Plan in die Tat umzusetzen. Durch einen großangelegten Spendenaufruf in Lauterbach und weit darüber hinaus kamen rasch fast 6.000 Mark zusammen, sodass am 23. Juli 1906 der Grundstein für den heutigen Hainigturm gelegt werden konnte. „Stark, lieblich, mild“. Mit diesen Segenswünschen begleitete der Vorsitzender Wilhelm Becker II. seine drei Hammerschläge bei der Grundsteinlegung: „Stark während vieler Jahrhunderte, liebliche Landschaftsbilder und milde, würzige Luft gewährend.“

Die Einweihung des Turms am 26. Mai 1907 wurde, wie der Chronik zu entnehmen ist, bei schönem, sommerlichen Wetter durch einen Festzug von Lauterbach auf den Hainig eingeleitet. Nach Festreden des Bürgermeisters Alexander Stöpler und des Kreisrats von Bechtold ließen die Freiherren Riedesel zu Eisenbach ein in Leder gebundenes Buch mit der Aufschrift „Chronik des Hainigturms“ überreichen. Nach dessen Widmung wurde das Buch dazu bestimmt, die ganze Geschichte des Hainigturms in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einzutragen.

Dieser ihm gesetzten Aufgabe ist der VHC bis heute gerne nachgekommen. Und so wurde die Chronik des Hainigturms auch zu einer Chronik des VHC und zu einer Chronik Lauterbachs. Von Bierabenden ist darin die Rede, zu denen sich Vereinsmitglieder zur Sommer- und vor allem der Wintersonnenwende im Turmzimmer zusammengefunden haben. Von der Anlage einer Allee im Jahre 1912, für die die Freiherren Riedesel 10 Ahornbäume, 45 Linden und 127 Eschen stifteten, „um dem Weg von Lauterbach zum Hainig Schatten zu geben.“ Von Freudenfeuern und Kriegsleiden, Idealen und Vandalismus. All dies hat der Hainigturm überdauert, wie inzwischen auch viele der knorrigen Eichen ringsum.

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